top of page

Radreise Marokko - #1 Ankunft in Marrakesch

Marrakesh Menara Airport - Voller Euphorie sattelten wir direkt an der Gepäckausgabe unsere Trekking-Bikes und machten sie für den ersten großen Einsatz fertig. Wir rissen die Luftpolsterfolie runter, drehten die Lenker wieder gerade, schraubten die Pedale ran und befestigten die Satteltaschen vorne und hinten. Unsere Vorfreude auf die Abfahrt wurde jedoch jäh ausgebremst, beim Gepäckscanner am Ausgang des Flughafens. Also alle Taschen nochmal runter, durch den Scanner, wieder alles aufsatteln und los ging die wilde Fahrt vom Airport in die Medina von Marrakesch...


Die ersten Meter auf unserem nigelnagelneuen Rad, vollbepackt mit Satteltaschen vorne und hinten waren super aufregend und sehr wackelig, insbesondere als wir in die Medina einbogen und uns durch das Getümmel und die engen Gassen der Souks manövrieren mussten.


Auf Erkundungstour in Marrakesch

Nachdem wir die Fahrräder und das Gepäck in unserem Dar abgestellt und gemeinsam mit unserem Gastgeber unseren ersten marokkanischen Minztee geschlürft haben, machten wir uns diesmal zu Fuß auf in das bunte Treiben der Medina. Irgendwie ganz ungewohnt so vielen Menschen eng aufeinander zu begegnen, ganz ohne Masken, nachdem erst vor Kurzem in Deutschland die Corona-Auflagen gelockert wurden. Und dennoch ein schönes Gefühl, unbeschwert durch die Gassen zu schlendern und die exotische Atmosphäre zu erleben.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf die Suche nach einem Café zum Frühstücken – gar nicht so einfach während des Ramadans. Doch wir wurden fündig und gönnten uns ein Marocain Petite Dejeuner: eckige Pfannkuchen mit Honig. Wie wir später herausfinden sollten, sind diese eckigen und Blätterteig ähnlichen Crêpes ein typisches Frühstücksgericht in Marokko und unfassbar lecker! Wenn nicht gerade Ramadan ist, werden diese Morgens auch am Straßenrand frisch rausgebacken und mit unterschiedlichen Aufstrichen (Honig, Schokolade, Käse, etc.) serviert.

Gestärkt gingen wir zur Free Walking Tour, bei der wir viele interessante Fakten zur Geschichte Marrakesch, aber auch der Kultur erfuhren. Anschließend verließen wir das touristische Zentrum, um das moderne Marrakesch zu erkunden. Zudem wollten wir uns bei zwei Busunternehmen in Bahnhofsnähe erkundigen, inwiefern man während unserer geplanten Atlas Überquerung spontan auf den Bus umsteigen kann und ob eine Fahrradmitnahme möglich ist. Bei beiden Busunternehmen erhielten wir die Antwort: Es gibt mehrere Hauptstationen, wo man Tickets kaufen kann, die Busfahrer lassen einen auf Wunsch auch unterwegs beliebig raus. Fahrradmitnahme ist gar kein Problem. Somit hatten wir schon mal einen Plan B, falls wir mit der Zeit bzw. unserer Kondition nicht zurechtkommen sollten.

Als nächsten wollten wir die Kasbah von Marrakesch besuchen, den Königspalast im Süden der Medina. Jedoch kamen wir dort außerhalb der Öffnungszeiten an. So verirrten wir uns in das jüdische Viertel, wo wir prompt von einem jungen und freundlichen Marokkaner aufgegabelt wurden, der uns zum legendären Gewürzmarkt brachte. Da sich viele schon auf das anstehende Fastenbrechen vorbereiteten, waren allerdings nicht alle Läden geöffnet. Abgegeben an einem geöffneten Gewürzshop, wurden wir mit offenen Armen und einem würzigen Tee empfangen. Etliche Gewürz- und Teedosen wurden zum Schnuppern und Probieren aufgerissen: Jasmin, Fenchel, Minze, Kardamom, Moschus,… Natürlich kauften wir nach der umfangreichen Beratung ein frisch vor unseren Augen gemahlenes Päckchen Ras el-Hanout. Eine typische Gewürzmischung in Nordafrika, die jedes Camping-Gericht (in diesem Fall überwiegend Couscous) verfeinert!

Marrakesch liegt in einer flachen Ebene und bietet keinen Aussichtshügel wie andere Städte. Dafür gibt es zahlreiche Dachterrassen, wo man sich zum Sundowner niederlassen und den Sonnenuntergang über der Medina genießen kann, auch wenn es nur alkoholfreie Getränke gibt. Echt einzigartig, denn die Strahlen der untergehenden Sonne lassen die roten Lehmhäuser der Medina nochmal richtig schön leuchten!


Ende des Ramadan – Glück oder Unglück?

Es ist Montag und unsere erste geplante Etappe steht an. Wir stehen also früh auf, packen die Taschen und Räder und radeln erstmal 10 Kilometer in die entgegengesetzte Richtung zum großen Supermarkt Marjane, wo man laut unserer Google-Recherche Spiritus und Camping Gaz kaufen kann (das wir im Fluggepäck nicht mittransportieren konnten). Doch nachdem wir durch ganz Marrakesch geradelt sind, stehen wir auf einem komplett leeren Parkplatz und vor verschlossenen Türen?!? Von den beiden Parkwächtern erfuhren wir, dass heute der Tag des Fastenbrechens ist. Das riesengroße Fest zum Ende des Ramadan richtet sich traditionell nach der Mondsichtung. Bei unserer Free Walking Tour war noch nicht klar, ob das Fest am Montag oder erst am Dienstag stattfindet. Na toll! Was nun?! Ohne Brennstoff für unsere Kocher brauchen wir definitiv nicht ins Atlas-Gebirge aufbrechen. Wer weiß, ob und wann wir eine Möglichkeit finden, Brennstoff zu besorgen. Denn schon am Vortag zeigte sich bei unserer vergeblichen Suche nach Camping-Gas oder Spiritus in den kleinen Läden in der Medina, dass selbst mit Bildern vom den Produkten und entsprechenden Übersetzungen auf Französisch keiner richtig wusste, was wir eigentlich wollten.

Kurzerhand riefen wir bei unserem Gastgeber Sam an, zum Glück hat er noch ein Zimmer für uns frei. Also wieder zurück zu unserem Dar, wo wir nach kurzer Wartezeit wieder einchecken konnten. Wir wollten jedoch nichts unversucht lassen und radelten – dieses Mal ohne Gepäck – zu einem anderen großen Supermarkt Carrefour. Auch hier leerer Parkplatz und verschlossene Türen. Von den Sicherheitsmännern erfuhren wir, dass der Supermarkt morgen wieder ab 08:00 oder 08:30 Uhr geöffnet hat und es definitiv auch Camping Gas gibt. Voller Zuversicht, dass es morgen dann endlich auf die erste Radetappe gehen kann, radelten wir zurück zur Unterkunft, luden die Räder ab und suchten uns etwas zu essen.

Dank dem heutigen Zuckerfest mussten wir gar nicht lange suchen: In einer Gasse standen drei Imbiss-Stände nebeneinander, die wie verrückt verschiedenes Fleisch mit Tomaten und Zwiebeln brutzelten und die Mischung ähnlich wie Döner in ein Fladenbrot packten. Drumherum eine riesige Traube Menschen, die alle so ein leckeres Sandwich abgreifen wollten. Worauf warten wir? Wenn die Marokkaner auf diesen Snack abfahren, dann kann das ja gar nicht so verkehrt sein.

Gestärkt besuchen wir den Palace de Bahia, die jüdische Schule mit ihren kleinen Zimmern und Mosaikwänden, Feilschen um und ergattern handgefertigte Ledersandalen für 120Dirham anstatt 360 (ob das ein guter Deal war sei mal dahingestellt), bevor wir uns in der Sonne auf der Dachterrasse des Café Glacier niederließen. Bei Kaffee und Wasser beobachteten wir das bunte Treiben auf dem Djemma al Fna. Mit untergehender Sonne strömten immer mehr Menschen – gekleidet in traditionellen Djellabas - auf den großen Platz der Medina. Essensstände wurden im markierten Bereich aufgebaut, Schlangenbeschwörer ließen ihre Kobras tanzen, Berberaffen wurden auf Schultern gesetzt, Glücksspiele gespielt und natürlich traditionelle Musik und Tänze aufgeführt. Besonders spannend waren die jungen Männer, die durch schnelle Kopfbewegungen die Quasten an ihren Fes zum Rotieren brachten. Da muss einem echt schwindlig werden…


Wir hatten also ein riesiges Glück, dass unsere Reise genau auf das Ende des Fastenmonats fiel, wir zur richtigen Mondkonstellation in Marrakesch waren und am Supermarkt abgewiesen worden sind. Denn das sogenannte Zuckerfest (Eid al Fitr) ist einer der wichtigsten Feiertage im Islam und die Feierlichkeiten waren definitiv ein Highlight unserer Reise.


 
 

Comentarios


bottom of page