top of page

Stopp, hier hinten steppt der bär!

  • Stefan
  • 18. Juni 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Juli 2023

Der Tag der Arbeit in Bosnien

Der 1. Mai ist auch in Bosnien ein freier Feiertag. Nachdem wir den Tag zuvor nur auf Gravelroads bergauf und bergab unterwegs waren, nehmen wir uns zur Abwechslung mal wieder eine asphaltierte Straße vor, um Strecke zu machen. An einer Tankstelle machen wir Halt [Lifehack: An Tankstellen kann man fast immer kostenfrei WiFi und die Toilette nutzen], um unsere Route online anzupassen. Dort arbeitet ein junger Bosnier, der gut Deutsch spricht, da er jahrelang in Deutschland gelebt hat. Zunächst hat er dort ein freiwilliges soziales Jahr in München absolviert und anschließend eine Ausbildung zum Altenpfleger. Er wäre gerne in Deutschland geblieben, jedoch hat er kein Arbeitsvisum erhalten.

Nachdem wir planten eine längere Zeit in Bosnien zu verbringen und SIM Karten günstig sind, nutzen wir direkt die Gelegenheit und lassen uns von ihm beraten. Für die SIM Karte von Novotel inkl. 10 Tage mit 12 GB Datenvolumen zahlen wir gerade einmal 3 Euro.

Danach setzen wir unsere Tour fort. Wir folgten dem Flusslauf des Sana bis nach Kliuc, eine unerwartet schöne Strecke. Immer wieder gibt es Grillplätze, wo viele Familien zusammensaßen und den freien Tag genossen. Als wir den Flusslauf verließen, ging es für uns so langsam wieder bergauf.

Nach einem zehn Kilometer langen Anstieg finden wir uns dann auf einer weitläufigen Hochebene mit vielen Weideflächen wieder. Gerne hätten wir das mehr genossen, doch leider bremste uns diesmal das Wetter ein. In der Ferne zogen sich tiefschwarze Wolken zusammen und es dauerte nicht lange bis es anfing aus Eimern zu schütten. Als dann auch noch Blitz und Donner hinzukamen, suchten wir Schutz unter einem Dachvorsprung. Diesen ungewollten Stillstand haben wir direkt für unser Abendbrot genutzt. Auch ein kleines Frustbier musste dran glauben. Die anstehende Nacht sollte weiterhin regenreich bleiben, weshalb wir einen überdachten Campingspot suchten, doch leider wurden wir nicht fündig. Mental angeknackst wären wir an diesem Abend so weit gewesen, uns eine Unterkunft zu leisten, doch in der Stadt Mirkonjic Grad war nach unserer kurzfristigen Googlerecherche keine zu finden. So haben wir letztendlich im Dunkeln unser Zelt auf einer abschüssigen und nassen Wiese inmitten der Stadt aufgestellt. Definitiv nicht unser schönster Campspot, aber es ist ja nur für eine Nacht.


Jajce - die Stadt der vielen Wasserfälle

In dem überschaubaren Städtchen Jajce haben wir einen kurzen Regenerationstag eingelegt. Die Stadt mit alter Festung liegt malerisch an dem Fluss Pliva. Schon einige Kilometer vor dem touristischen Ort gibt es einige sehenswerte Highlights, wie zum Beispiel die alten Wassermühlen oder die hölzerne Bridge of Love. Nachdem wir im Hostel eingecheckt haben, machen wir uns zu Fuß auf in das Zentrum des Städtchens und zu seinem Markenzeichen - den 20m hohen Wasserfall. Den Viewpoint für knackige 5 Euro pro Person!!! haben wir uns geschenkt und sind stattdessen auf die andere Seite der Vrbas Schlucht gelaufen, wo man kostenfrei einen tollen Blick auf das typische Postkartenbild der Stadt bekommt. Dort trafen wir auf einen weiteren jungen 'Sparfuchs' aus Deutschland, der kurz nach uns in Wanderschuhen den Aussichtspunkt erreichte. Wir kamen sofort ins Gespräch und erfuhren, dass er schon seit längerem um die Welt trampt.


The Old Rail Trail

In der Nähe des Viewpoints sind wir durch ein großes Schild auf den Radweg "Old Rail Trail / Staza Stare Pruge" aufmerksam geworden. Wir haben uns gleich die Webseite abgespeichert und beschlossen einen Teil des scheinbar relativ neu ausgeschilderten Wegs zu fahren, da wir sowieso diese Richtung einschlagen wollten und bisher keine richtigen Radwanderwege auf Komoot durch Bosnien gefunden haben. Auch dieser war (noch) nicht in Komoot hinterlegt.

Wie der Name bereits vermuten lässt, folgt der Weg der ehemaligen Schmalspurbahn von Jajce bis Zenica bzw. kurz vor Gora und ist insgesamt 96,5 km lang. Das Schöne daran ist, dass dadurch kaum Steigungen zu erwarten sind. Wir haben jedoch nur den ersten Abschnitt bis Donij Vakuf gemacht (ca. 35 km).

Der Anfang des Trails in Jajce sah in jedem Fall sehr vielversprechend aus, denn man startet direkt zwischen einem für die ehemalige Schmalspurbahn eingeschlagenen Felsen und kommt am Kohlebahnhof mit seinen riesigen Kohleschütten vorbei.

Danach windet sich der Weg entlang des wilden Flusses Vrbas durch die bewaldeten Berge Bosniens. Es geht vorbei an kleinen Ortschaften und durch kleine Tunnel.

Doch womit wir auf diesem scheinbar neuen Radwanderweg nicht gerechnet hatten, waren die vielen Schlaglöcher und teilweise echt sehr groben und steinigen Schotterwege. Hinzu kam, dass manche Wegabschnitte durch den vielen Regen der vorangegangenen Tage sehr schlammig und rutschig waren. Weitere kurze Wegabschnitte befanden sich sogar noch im Status des Wegebaus das an dem Baggern auf dem Weg ersichtlich war. Mit unseren bepackten Bikes keine so einfache Angelegenheit. Letztendlich benötigten wir für den leichten und eigentlich kurzen Weg viel länger als geplant, was unserer Schlafplatzsuche nicht sonderlich förderlich war. Es dämmerte bereits als wir bei unserem vorher auserkorenen Campingspot ankamen. Die besetzte Schranke war auf unseren Karten allerdings nicht eingezeichnet. Die Wachmänner fragten erstmal, was wir hier machen. Wir gaben zu verstehen, dass wir hier eigentlich übernachten wollten, und zwar im Zelt. "Das können wir nicht machen, das ist hier viel zu gefährlich. Erst gestern wurde bergauf in dem Wald ziemlich nah am Ort ein Bär gesichtet." Sie zogen ihr Handy aus der Tasche und zeigten uns mehrere Bilder von großen Bären. Diesen wollten wir Nachts tatsächlich nicht begegnen. Doch wohin nun? Wir betonten, dass wir lediglich einen kleinen Platz für unser Zelt bräuchten, gibt es hier in der Nähe was für uns? Sie deuteten auf den Parkplatz. Wenn uns das ausreicht, dann können wir gern hier unser Zelt aufstellen. Nicht perfekt, aber die sicherste Alternative, denn im Schrankenhäuschen schliefen Wachmänner selbst auf ihren Feldbetten. Wir bedankten uns und stellten unser Zelt wenigsten ein bisschen regengeschützt unter eine große Tanne. Auch die Trinkwasserstelle mit Seife durften wir gerne nutzen - fast wie im Hotel. Die Nacht verlief ruhig, außer dem Prasseln vom Regen auf unser Zeltdach konnten wir der Umgebung keine Geräusche entnehmen, die auf einen Bären deuten würden.


Comments


bottom of page